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Politik und Wahrheit?

Dr. Günther Beckstein: Ein Ex-Ministerpräsident schreibt ein Buch über die 10 Gebote

 

Buch Günther BecksteinWieviel Wahrheit verträgt Politik? Die Affären um  Theodor von und zu Guttenberg und Bundespräsident Wulff lassen derzeit gerade Politiker in einem schlecht Licht erscheinen. Ausgerechnet in dieser Zeit erweckt der ehemalige bayerischen Innenminister und Ministerpräsident, Dr. Günther Beckstein, Aufmerksamkeit mit einem Buch über „Die Zehn Gebote – Anspruch und Herausforderung“. Mitte vergangenen Jahres erschienen, wirft der Verlag zum Jahresbeginn die dritte Auflage in den Buchmarkt. Im achten Gebot geht es um Wahrheit und Lüge. Christof Hüls sprach mit  Günther Beckstein, dem Vizepräsidenten der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, über Aspekte des achten Gebotes („Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“) und sein Buch.

Schwäbisch Gmünd, 21. Januar 2012

 

Wie steht es mit der Wahrheit in Politik?
Ich glaube, Politik muss aus Eigeninteresse die Wahrheit sagen. In einer Welt, in der Medien alles rauskriegen, haben Lügen kurze Beine. Ein Politiker wird nicht immer alles sagen, was er weiß. Ich habe aber nie gelogen. Man ist schnell versucht, sich durch Flunkereien einen Vorteil zu verschaffen. Die Wahrheit ist aber das Einzige, was trägt.

 

Wird Wahrheit in der Politik nicht sogar eher bestraft?
Das ist der Tat so. Insbesondere, wenn man unangenehme Dinge kurz vor Wahlen sagt.

 

Wann haben Sie das Buch geschrieben: vor oder nach Guttenberg?
Vor der Affäre Guttenberg. Mein Buch „Die Zehn Gebote. Anspruch und Herausforderung“   war auch keine Antwort auf einen anderen Politiker.

 

Warum haben Sie das Buch geschrieben?
Ich habe mich gefragt, wie man als evangelischer Christ Politik machen kann. Ich wollte Macht ausüben, aber ich wollte das auch als evangelischer Christ tun. Das ist ein tolles Spannungsverhältnis.  Ich will sagen, was ich mit den Geboten verbinde.  Das interessiert viele Menschen. Es geht mir nicht darum mir selbst einen Heiligenschein umzulegen. Ich habe oft Fehler gemacht und bin Irrtümern unterlegen. Fehler spielen eine wichtige Rolle, aber auch Vergebung,

 

Welcher größten Versuchung sind Sie erlegen?
Es gibt Fälle, in denen ich auf Kosten eines anderen versucht habe, mich zu profilieren und einen andern als Sündenbock vorzuschieben. Da erinnere ich mich an eine ganze Reihe von Fällen.

 

Haben Sie sich mal  entschuldigt?
Ja. Ein Polizeichef hatte mich aufs Blut geärgert. Ich habe ihn versetzt quer durch Bayern. Er ist nicht vor Gericht gegangen und hat sich nicht gewehrt. Wer sich so loyal gibt, der muss das spüren. Er hat sich besser verhalten als ich. Deshalb habe ich mich öffentlich beim ihm entschuldigt.

 

Was sagen Ihre Kollegen zu Ihrem Buch?

Es gibt einige, die das Buch gelesen haben. Sie sagen, es würde viele Fragen behandeln, die auch sie bewegen. Sie meinen, es gebe gut das Spannungsverhältnis wieder. Es gibt kaum Kritik. Aber mir hätte man es wohl nicht so zugetraut, dieses Buch zu schreiben - Politiker lesen schließlich aus Zeitgründen wenig und oft nur Rezensionen. Insgesamt ist die Hektik enorm; die Kurzatmigkeit hat enorm zugenommen.

 

Kennt der Bundespräsident Ihr Buch?
Keine Ahnung.

 

Sie üben auch Kritik an den Medien. Was tragen Sie den Medien nach?
Ich weiß um die wichtige Aufgabe der Medien, Kontrolle der Macht auszuüben.  Aber Medien unterliegen schnell der Versuchung, selber Politik zu machen. Dann gibt es Schlagzeilen, die Wahrheit verfälschen. Das berührt eine Kernfrage des Vertauens in Medien. Es  ist eine der ganz großen Herausforderungen – genauso wie in der Politik – dass nicht alles für den Erfolg getan werden darf.

 

Sie sprechen davon, dass man gar nicht aktiv lügen muss, um zu lügen. Was meinen Sie damit?
Man kann durch Weglassen Zusammenhänge herstellen und weiter transportieren.
Ich habe zum Beispiel  Herrn von Guttenberg verteidigt. Natürlich habe ich auch gesagt, dass die Affäre der CSU geschadet hat. Aber durch das Verkürzen meiner Aussagen darauf ist genau das Gegenteil von dem herausgestellt worden, was ich gesagt habe. Es wurden von Medien Zusammenhänge hergestellt, die falsch waren. Im Nachhinein, als heraus kam, wieviel Herr von Guttenberg abgeschrieben hat, war ich enttäuscht.

 

Das aktuelle Buch ist nicht Ihr erstes Buch. „Worauf es ankommt“, hieß ein früherer Titel. Worauf kommt es denn an?
Mir ist es wichtig, dass der kurzfristige Erfolg darf nicht Maßstab sein darf. Man muss den Maßstab anlegen, vor seinen eigenen ethischen Anschauungen bestehen zu können. Es darf nicht um die Schlagzeile des nächsten Tages oder das Wahlergebnis gehen, sondern darum, dem Land und seinen Menschen zu dienen.
 
Können die Zehn Gebote  heute noch Maßstab sein?
Im Zusammenhang mit dem Buch habe ich festgestellt, welche Aktualität die Gebote haben. Sie enthalten unglaublich aktuelle Wertmaßstäbe. Sie sind keine Beschränkung, sondern Leitplanken, innerhalb derer man seine Freiheit besonders gut und schön ausleben kann.

 

Das Interview führte: Christof Hüls im Januar 2012

 

Angaben zum Buch: