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Jesus-AG

Die älteste "Firma" der Welt in einer Analyse

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Buchbesprechung:
Ein Unternehmensberater analysiert die älteste Firma der Welt

Mancher Leser mag allein schon beim Titel die Luft anhalten. Gottes weltweite Gemeinde mit einer "Aktiengesellschaft" zu vergleichen: Ist das nicht Gotteslästerung? Hermann-Josef Zoche tut es aus einer Doppel-Insiderrolle heraus: als Unternehmensberater und katholischer Geistlicher.

 

Selbstkritisch und kurzweilig

Was auf den ersten Blick als Ketzerei erscheint, erweist sich beim Lesen als hoch interessante, selbstkritische und kurzweilig geschriebene Literatur. Das 240-seitige Buch aus dem Pattloch-Verlag (www.pattloch.de) stellt aber alles andere dar als einen reißerischen Roman, sondern eine durchdachte Analyse der Situation der Kirche von heute. Der Autor setzt "die Firma" sehr oft der "katholischen Kirche" gleich. Sonst wäre der Papst kaum "Vorstandsvorsitzender" oder das kleinste "Vertriebsgebiet" die "Pfarrei". Sieht man von wenigen Anspielungen ab, so gelten dennoch 99 % der Aussagen für alle christlichen Kirchen. "Alten Männer mit komischen Hüten" gibt es eben nicht nur in der katholischen Kirche.

 

Der Firma laufen die Kunden davon

Die Lage der Jesus AG aus der Sicht eines Unternehmensberaters? "Ihr laufen die Kunden scharenweise davon; selbst der Vertrieb ist von dem Produkt ... nicht mehr 100-prozentig überzeugt, ...", das Produkt werde in "Imitaten von der Konkurrenz vertrieben."
Was würde seine Analyse besser belegen als Zitate aus der Bibel. Zoche liest die Bibel mit betriebswirtschaftlichen Augen und zieht eine Fülle von Aussagen und Vergleichen heran.
Die Bibel steckt schließlich voller Vergleiche mit wirtschaftlichen Zusammenhängen wie dem Gleichnis von den drei Dienern und ihren "Talenten" aus Matthäus 25. "Kauft die Zeit aus" zitiert der Buchautor Paulus und verweist auf ökonomische Arbeitsweisen, statt sinnlos Zeit zu verplempern mit unwichtigen Dingen - wie der "Selbstverwaltung. Natürlich kommt Zoche auf das Problem zu sprechen, dass sich selbst Mitarbeiter nicht mehr mit dem Produkt identifizieren. Zocher erinnert an Paulus Aufforderung an die Römer "eines Sinnes" zu sein und vergleicht dies mit dem Teamgedanken in modernen Unternehmen. Der Autor verweist auf Marta und Maria, die (Lukas 10) Jesus mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten/Gaben dienen.

 

Schonungslose Bloßstellung

Kirchenfunktionäre dürften sich weniger an der Titulierung des Papstes als "Vorstandsvorsitzender" stören, als vielmehr an einer schonungslosen Bloßstellung verkrusteter kirchlicher Strukturen und Handlungsweisen kurz nach den Jubiläumsfeiern zum 2000-jährigen Bestehen des Unternehmens. Der Autor prüft die Performance grundlegend.
Leser mit kaufmännischem Hintergrund wird am meisten interessieren, wie Hermann-Josef Zoche typische Begriffe aus der Ökonomie in den kirchlich-christlichen Kontext versetzt: Welches "Produkt" vertreibt "die Firma", oder wer sind die "Kunden"? Woher kommt das "Kapital" und was macht die "Konkurrenz"? Was bedeutet "Kundenorientierung"?
Zur Analyse gehört ein Rückblick auf die Historie der "Jesus AG". Zoche erinnert an die Entstehung sozusagen bei einem "Arbeitsessen" - dem Abendmahl. Und schon ist der Autor beim ersten ganz wesentlichen Punkt: der Gesellschaftsform. Das Abendmahl symbolisiert die Gemeinschaft der Christen. Das Bild vom "Leib Christi" sei keine bloß dunkle Metapher für die Jesus AG, argumenitert Zacher. "Diese Firma hat keine Mitarbeiter; die Firma sind die Mitarbeiter".

 

Krise als Chance

Der Schreiber redet keineswegs moderner Orientierung an "Erlebniswert" das Wort. "Krise" definiert Zoche von seiner griechischen Bedeutung auch als "Entscheidung" oder "Chance". In diesen Zeiten werde das Wesentliche ans Licht kommen, hofft der Autor. Kirche müsse sich auf ihre Identität besinnen, statt Bewährtes "diskret unter den Tisch fallen zu lassen".
Er kommt tatsächlich nur selten vom schmalen Grat ab, das Bild überzustraphazieren. Die Phantasie könnte schnell durchgehen beim Vergleich von "Unternehmen" und "Gemeinde Jesu". Doch Punkt für Punkt zieht Zoche sehr genau Parallelen und wägt ab. Allen Parallelen zum Trotz warnt Zoche am Ende davor, Kirche zu einer "Firma" verkommen zu lassen. An internen Behörden, Instanzen oder Riesen-Etats mangelt es schließlich nicht.
Der Pater definiert das einmalige Produkt der "Jesus AG" mit einem Zitat aus dem Johannes-Evangelium (Kap. 10, Vers 10): "Ich will, dass sie das Leben haben, und es in Fülle haben." Das beste "Produkt", um diese Idee zu verwirklichen, sei Jesus Christus. So wie Menschen eben nicht wirklich eine Waschmaschine brauchen, sondern weiße Wäsche. Jesus erlöse von dem Wahn, "Leben" mit Hanteln, Jogging oder im Kaufwahn zu erreichen.

 

Jesus ist keine Super-Waschmaschine

An diesem Punkt schießt der Pater aus Sicht evangelikaler Christen übers Ziel hinaus: Denn "Jesu" ist eben nicht bloß "Mittel zum Zweck" wie eine Super-Waschmaschine, aus der lauter "weiße Westen" kommen. Jesus ist zunächst Anfang und Ziel der ganzen Welt. Alles ist für ihn und durch ihn (Kolosser 1). Weil Gott die Menschen liebt, machte er sich obendrein zur Sünden-"Waschmaschine".
Die Jesus-AG - Ein Unternehmensberater analysiert die älteste Firma der Welt Pattloch-Verlag, München, 2002, ISBN 3-629-01640-5, Preis: 14,90 Euro.

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