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Nikita Goseberg in Afrika

Dahle, Frühjahr 2012 -- zurück zur Seite über die EFG Dahle --

Nikita Goseberg in Afrika Obdachlosigkeit, Zwangsprostitution und Schokolade: Menschenhandel hat viele Facetten. Die 23-jährige Dahlerin Nikita Goseberg wollte es aus erster Hand erfahren und verbrachte neun Wochen in Südafrika.

„Mittendrin im Menschenhandel“ überschreibt Nikita Goseberg ihr Internet-Tagebuch. Weil Kindersklaven Kakaobohnen ernten müssen, genießt die junge Altenaerin seit einem dreiviertel Jahr nur noch „fair geerntete“ Schokolade. Damit fängt für sie der Kampf für Gerechtigkeit an.

Für Nikita Goseberg geht er allerdings weiter. Auch „um den eigenen Horizont zu erweitern“, entschied sich die überzeugte Christin im Herbst zu einem persönlichen Umbruch. Bis dahin hatte sie bei der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Dahle als Jugendreferentin gearbeitet und parallel in Essen am Institut für Gemeindebau und Weltmission studiert. Im September wechselte sie zu „Jugend mit einer Mission“.
Die Schule in Hamburg bietet Christen eine sehr praktische Lebensschule. Dort am Rande der Reeperbahn dreht sich dort alles um „Gerechtigkeit und Menschenhandel“. Das ist das große Thema der Organisation.

Vier Monate lebte und arbeitete die Dahlerin in der Hansestadt. Einmal wöchentlich verteilte sie mit anderen Schülern Kaffee und Kakao an Obdachlose. Sie suchten das Gespräch mit Prostituierten oder musizierten am Straßenrand. Nikita Goseberg: „Klar gibt es auch in Altena Not, aber in Hamburg ist sie ganz anders gelagert.“ Es gebe viel, viel mehr Obdachlose und Prostitution gehört in Hamburg ganz selbstverständlich zum Stadtbild. Es gebe Schätzungen, wonach weit über die Hälfte der Hamburger Prostituierten Opfer von Menschenhandel seien.

Zu der Zeit bei Jugend mit einer Mission“ gehört ein Auslandseinsatz, den Nikita mit 15 Christen in Südafrika verbrachte. Die neun Wochen dort verliefen sicher anders als es Touristen erwarten. Trotzdem ist die Dahlerin fasziniert von dem „wohl westlichsten Land“ Afrikas und den Widersprüchen der Kultur.

Elf Sprachen, Arm und Reich

Es gibt elf offizielle Sprachen, saftiges Grün an der einen Stelle, trockene Wüste nebenan. Reichtum dort und Townships mit unzähligen Wellblechhütten nur wenige Kilometer entfernt. Die Apartheid hat die Region geprägt.

Nikita Goseberg in AfrikaNeben den Metropolen Johannesburg und Kapstadt stand das kleinere Drakensberg auf dem Tourplan der Gäste aus Deutschland, Kanada, den USA und Paraguay. Sie arbeiteten in Frauenhäusern, machten Schuleinsätze, sangen und predigten auf den Straßen, verteilten Kleidung, packten bergeweise DVDs zu Info-Kampagnen über Aids, oder Drogen. „Fernseher gibt es wohl in jeder Wellblechhütte“, erzählt Nikita Goseberg. Und Aids: Nach offiziellen Angaben trägt jeder fünfte Südafrikaner den Virus in sich. Das Problem sei in „christlich“ geprägten Ländern deutlich größer als in muslimischen Staaten, weiß Nikita Goseberg. Eine der Ursachen: Zwangsprostitution und Vergewaltigungen.

Mit 20 Menschen in einem Raum gewohnt

Darunter leiden auch die Kinder, die es der jungen Frau besonders angetan haben. Sie kamen natürlich immer als Erstes, wenn sich die weißen Besucher am Straßenrand aufbauten mit Gitarren, um mit den Kids zu spielen, zu singen und zu tanzen. Die Christen wollen „Gott bekannt machen“ und singen von seiner Liebe. Beeindruckt ist die 23-Jährige Altenaerin von der Gastfreundschaft in Südafrika. Einen Monat lang teilte sich eine vierköpfige Familie mit den 16 Gästen ihre Einraum-Wohnung. An anderen Orten wohnte die Gruppe in Zelten oder 13-Bett-Zimmern. Das Essen sei kein Problem gewesen, meint die junge Frau.

Am liebsten Studium in Afrika

Zurück aus Afrika, hat die gelernte Erzieherin bis zum Sommer eine Stelle in einem Nikita Goseberg in AfrikaNachrodter Kindergarten angenommen. Am liebsten würde die junge Frau aus Dahle dann in Südafrika studieren. Aber das ist auch eine Frage des Geldes.
Sie spielt mit dem Gedanken, Politik zu studieren - um „noch mehr Zusammenhänge“ zu verstehen“. „Denn auch darauf kommt es der 23-Jährigen an: Nicht mehr alles „aus zweiter Hand“ zu hören, sondern aus eigener Anschauung. Und differenzieren zu können, statt Schwarzweiß zu denken.

 

Christof Hüls
Dieser Text erschien im April 2012 in der Westfälischen Rundschau in Altena

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